Mögliche Lösungen für Verkehrs-Chaos im Spandauer Süden

Veröffentlicht von Redakteur 11. Februar 2020

von Hetmut Kleebank (Bezirksbürgermeister von Spandau und stellv. Kreisvorsitzender der SPD Spandau).

Spätestens seit 2012 ist die Metropolenregion Berlin-Brandenburg so attraktiv geworden, dass immer mehr Menschen zuwandern. Dies gilt auch für den Spandauer Süden und unsere Potsdamer Nachbarn. Auch weil weitere große Bauvorhaben wie z.B. das Projekt Krampnitz vor der Tür stehen. Wir alle merken aber auch, dass die Verkehrsinfrastruktur inzwischen durch die steigende Zahl an Menschen überlastet ist. Es ist also höchste Zeit für ein Verkehrskonzept, das sich mit der speziellen Situation im Spandauer Süden auseinandersetzt.

Weil wir nicht noch mehr und noch breitere Straßen bauen können, müssen wir vor allem den öffentlichen Personennahverkehr schneller und zuverlässiger machen. Nur so kann er zu einer echten Alternative vor allem für die arbeitende Bevölkerung werden.

Die SPD Spandau hat daher bereits im Jahr 2018 konkrete Lösungsmöglichkeiten vorgeschlagen. So ist zum Beispiel die Einmündung der Gatower Straße in die Heerstraße zu Spitzenzeiten regelmäßig überlastet. Dabei stehen dann auch die Busse im Stau. Eine Verbesserung der Verkehrssituation kann hier nur durch eine eigene Busspur stadteinwärts geschaffen werden, die mindestens zu Spitzenzeiten vollkommen frei gehalten wird. Die für eine Busspur erforderliche zusätzliche Fläche ist auf der Westseite der Gatower Straße in Form einer von Bebauung frei gehaltenen Trasse sogar vorhanden. Erforderlich ist also lediglich die Erweiterung der Gatower Straße um eine Spur, die Festlegung einer Busspur und die Anpassung der Kreuzungssituation. Auf diese Weise könnte der Busverkehr auf der Gatower Straße elegant am morgendlichen Stau stadteinwärts vorbeifahren.

Ein anderes Beispiel: Ein Hauptproblem der Einmündung der Potsdamer Chaussee ein die Heerstraße besteht in den sich kreuzenden und gegenseitig behindernden Verkehren von Bus, Linksabbiegern und Geradeausfahrern. Zurzeit behindern die Linksabbieger sehr regelmäßig den Abfluss in gerader Richtung über die Heerstraße.

Die Lösung könnte eine eigene Linksabbiegerspur sein, die von Süden kommend bis zur Kreuzungsmitte nur ca. 50 m lang sein muss. Auf dieser Länge müsste die Potsdamer Chaussee im Einmündungsbereich verbreitert werden. Ergänzt um eine Vorrangschaltung der Ampel für die geradeaus fahrenden Busse wäre die Situation erheblich entlastet.

Für die Kreuzung Ritterfelddamm / Potsdamer Chaussee fordert die SPD Spandau nach wie vor die Errichtung eines Kreisverkehrs, weil sich nur so die morgendliche Stausituation verringern lässt. Außerdem sollte die seit vielen Jahren stillgelegte Fortführung des Ritterfelddammes Richtung Brandenburg reaktiviert werden.

Wer noch mehr tun will, muss sich meines Erachtens mit der Situation auf der Heerstraße auseinandersetzen. Auch hier stehen die Busse regelmäßig im Stau. Morgens stadteinwärts bis zur Freybrücke, abends ab Stößenseebrücke stadtauswärts. Die einzige Maßnahme, die hier die Busverkehre kurzfristig beschleunigen kann, ist die Einrichtung von Busspuren, mindestens temporär im Berufsverkehr.

Das wäre sicher ein sehr heftiger Einschnitt zu Lasten des lndividualverkehrs. Auf der anderen Seite würde der ÖPNV sehr viel attraktiver und zum Umstieg motivieren. Es wären mit Sicherheit begleitende Maßnahmen erforderlich wie z.B. eine Taktverdichtung der betreffenden Busse, die dann ja nicht mehr im Stau stehen und verlässlich ihre Fahrzeiten einhalten können. Oder auch die Errichtung von P+R-Parkplätzen, um den Pendlern den Umstieg zu ermöglichen. Für all diese Maßnahmen braucht es Geld, vor allem aber Mut. Andernfalls aber sehen wir uns wieder – im nächsten Stau.

Dieser Artikel wurde als Gastbeitrag im Potsdamer  02/2020 abgedruckt.